Hirt, Tinner und Fugibootschä

In Zusammenarbeit mit der Kulturförderung des Kantons Uri lanciert die Stiftung Fotodok ein Fotografie-Portal für den Kanton Uri. Im Online-Lexikon der Fotografie in der Zentralschweiz werden alle Fotografinnen und Fotografen, die je im Kanton Uri tätig waren und sind, verzeichnet. Die Fotografinnen und Fotografen haben zudem die Möglichkeit, in der Online-Galerie der Fotodok auszustellen. Christof Hirtler aus Altdorf ist der erste Fotograf, der diese Möglichkeit wahrnimmt. Er zeigt vom 4. November 2016 bis 3. März 2017 eine Auswahl seiner Serie «Hirt, Tinner und Fugibootschä»*.

Seit 2010 beobachtet Christof Hirtler den Strukturwandel in der Urner Berglandwirtschaft. Im Buch «Hirt, Tinner und Fugibootschä» zeigt er eine bäuerliche Welt, die bald nur noch Erinnerung sein wird. Der Fotograf hat mit über 50 Bäuerinnen, Hirten, Sennen und Zububen gesprochen und ihre Erinnerungen an eine Zeit vor der Mechanisierung der Landwirtschaft aufgezeichnet.

Bis in die 1960er-Jahre lebten die Bauernfamilien im Berggebiet des Kantons Uri noch vorwiegend als Selbstversorger von ihren Tieren, vom Kartoffel- und Gemüseanbau, von den Beeren, die sie sammelten und konservierten. Überleben konnten die vielen Kleinstbetriebe nur durch die Wanderwirtschaft mit einem Tal-, Berg- und Alpbetrieb. Holzen war ein Nebenverdienst im Winter.

Seit 1996 erhalten die Bauern Direktzahlungen für eine «markt- und umweltgerechte landwirtschaftliche Produktion» und für das Erbringen von gemeinwirtschaftlichen Leistungen, wie die Erhaltung des Land­schaftsbilds oder die Förderung der Biodiversität. Heute bewirtschaften immer weniger Urner Bergbauernbetriebe immer grössere Flächen. Damit steigen für die Familien die Arbeitsbelastung und der Druck. Die Isentaler Älplerin Margrit Gasser sagt es so: «Die Land- und Alpwirt­schaft zu erhalten ist nicht nur eine Frage des Geldes. Es braucht eine Generation, die weitermachen will. Viele Junge wollen nicht mehr melken, trotz der höheren Beiträge. In zehn Jahren werden im Isental viel mehr Mutterkühe gehalten als heute. Auf den Alpen fehlen damit die Milchkühe.»

 

* Hirt, Tinner und Fugibootschä hiessen die Alpknechte, die mit dem Senn auf Urner Genossenschaftsalpen arbeiteten. Der Tinner (Diener) war der Mitarbeiter des Senns, der Fugibootschä (Zentrifugen-Bub) der Handlanger. Die Verantwortung für die Tiere übernahmen der Hirt und der Zuhirt. «Hirt, Tinner und Fugibootschä» heisst auch das Buch von Christof Hirtler, das 2015 im Verlag bildfluss erschienen ist.

 

Christof Hirtler auf Fotodok Link

Christof Hirtlers Homepage Link

Christof Hirtlers Ausstellung im Haus für Kunst Uri vom 10.12.2016 bis 8.1.2017 Link